Stressfrei einkaufen mit Kindern

Stressfrei einkaufen mit Kindern Umfrageergebnisse, persönliche Einblicke und Tipps rund um den Einkauf in Familie

Bei Kindern hat jedes Alter schöne, aber auch schwierige Seiten – recht deutlich kommen letztere zum Beispiel beim wöchentlichen Großeinkauf im Supermarkt zum Vorschein. Im Babyalter, wenn Wickeltisch und Stillecke nicht weit entfernt sein dürfen, im Kleinkindalter, wenn Kinder sich nicht zwischen im Einkaufswagen sitzen und selber laufen entscheiden können oder als Schulkind, wenn der Nachwuchs die viel zu süßen Knuspercornflakes aus der Werbung unbedingt haben will – sonst gibt es ein Drama. Kein Wunder, dass man als Elternteil da schon mal ins Schwitzen kommt. Wir haben daher mehr als 500 Eltern nach ihren Erfahrungen, Wünschen und Problemen gefragt und Tipps zusammengestellt, wie man den Einkauf mit Kindern möglichst stressfrei hinbekommt.

„Als mein Kind schreiend auf dem Boden lag“ – persönliche Einblicke in das Einkaufsverhalten von Familien

Die Ergebnisse unserer Umfrage lieferten eine Reihe von interessanten Erkenntnissen. Besonders deutlich wurde, dass sich zwei Lager von Eltern herauskristallisierten, die scheinbar unterschiedliche Erziehungsmethoden anwenden: Diejenigen, die klare Ansagen machen und nicht diskutieren und diejenigen, die ihren Kindern ihre Entscheidungen und die Zusammenhänge erklären. Unser Erziehungswissenschaftler von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Maik Sawatzki schätzt dies so ein: „Generell lässt sich schon sagen, dass konsequentes, klares und deutliches Auftreten der Eltern oder des Elternteils in solchen Situationen häufig am hilfreichsten ist. Die Gefahr bei Erklärungen in der jeweiligen Einkaufssituation ist natürlich, dass das Kind in seiner situativen Wut und seinem Ärger gerade nicht zugänglich ist für jegliche Art der Beruhigung durch Worte und vernünftige Erklärungen. Unter Umständen führt dies sogar noch zu einer weiteren Eskalation des Konflikts, weil eine Diskussion zwischen Elternteil und Kind entsteht. Das Erklären bietet sich meist aber nach der Einkaufssituation an, wenn das Kind sich beruhigen konnte. Hier sollte man als Elternteil dann auch die Nähe des Kindes suchen und die Entscheidung in Ruhe erklären. In der unmittelbaren Situation empfehlen sich jedoch tendenziell eher klare, deutliche und kurze Ansagen.“

Wann gehen Familien einkaufen?

Auch wenn es nicht immer reibungslos läuft und oftmals deutlich länger dauert, gehen 85% der Eltern regelmäßig gemeinsam mit ihren Kindern einkaufen. Beliebte Einkaufszeitpunkte sind wochentags zwischen 13 und 18 Uhr oder aber der Samstag.

wochentags

14%8-13 Uhr48%13-18 Uhr8%18-20 Uhr

Samstag

28%

ohne Kind

2%

Wie lange dauert ein durchschnittlicher Supermarkteinkauf bei dir? (ohne Kind)

Wie lange dauert ein durchschnittlicher Supermarkteinkauf bei dir? (mit Kind)

Einkaufswagen pro und contra

Sobald die Kinder dazu in der Lage sind, laufen sie während des Einkaufs selber, wobei auch der Kindersitz im Einkaufswagen von knapp 30% der Eltern gern genutzt wird. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Man hat die Hände frei und das Kind kann nicht weglaufen. Spezielle Einkaufswagen wie die Kindereinkaufswagen oder das Auto mit Korb werden von 58% der Befragten als hilfreich eingestuft, 42% halten sie für nicht sinnvoll. Die Gründe liegen vor allem daran, dass

„Wenn du artig bist, bekommst du einen Schokoriegel“

Beim Thema „Belohnung für gutes Benehmen“ gehen die Meinungen weit auseinander. Während 71% der Eltern angeben, ihre Kinder für artiges Verhalten beim Einkauf zu belohnen, kritisieren auch viele diese Maßnahme, weil sie zu einer falschen Konditionierung beiträgt und gutes Benehmen selbstverständlich sein sollte. Diese Gefahr sieht auch unser Erziehungscoach, findet ein solches „Erziehungsmittel“ in einzelnen Situationen, wie dem Einkaufen, aber unproblematisch. Vielmehr gibt Maik Sawatzki zu bedenken: „Letztendlich vermeidet man dadurch eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Konsequenz und „Erziehungskompetenz“: Wenn ich mein Kind durch Belohnungen „ruhig stellen“ kann, muss ich gegebenenfalls nie konsequent und deutlich auftreten. Viele Eltern haben hiermit tatsächlich Probleme, weil es vielfach schwer auszuhalten ist, in solchen Situationen auch mal „die/der Böse“ zu sein, weil man sein Kind ja liebt und nur das Beste will. Längerfristig kommt man daran jedoch nicht vorbei.“

Darf sich dein Kind beim Einkauf etwas aussuchen, wenn es artig war?

71%JA29%NEIN

Auch beim Einkaufen heißt es: Learning by doing

Besonders wichtig scheint es vielen Eltern zu sein, dass ihre Kinder aktiv mit in den Einkauf eingebunden werden. Dies hat viele sinnvolle Gründe: Zum einen lernt man am ehesten, indem man Dinge selber macht – so wird vor allem das Gefühl und der Umgang mit verschiedenen Produkten geschult. Zum anderen sind Kinder besonders stolz, wenn sie eine scheinbar bedeutsame Aufgabe haben und aktiv etwas beitragen können. Gänzlich anders sieht es allerdings beim Kleidungskauf aus, hier wählen 87% der Eltern die Einkäufe für ihre Kinder selber aus.

83% der Kinder helfen mit

Vermeiden oder Konfrontation?

Dass Kinder allerdings noch nicht allen Versuchungen des Konsums widerstehen können, wissen Eltern nur zu gut. Darum meiden auch 39% der Befragten gezielt einzelne Bereiche oder Gänge des Supermarkts, um Diskussionen vorzugreifen. Wenn die Kinder allerdings schon alt genug sind und wissen, wo Süßigkeiten, Spielzeug und Comics zu finden sind, muss gezielt Erziehungsarbeit geleistet werden.

Probleme, Hürden und Wünsche beim Einkaufen mit Kindern

Mithilfe unserer Umfrage wollten wir gern typische Stressmomente und Wünsche der Eltern an den Handel aufdecken. Besonders nachgefragt wurden von unseren Umfrageteilnehmern vor allem Toiletten, die auch während des Einkaufs stets gut erreichbar sein sollten, genauso wie eine Möglichkeit zum Wickeln. Weitere Forderungen, die häufig geäußert wurden, sind:

Für wenig sinnvoll werden hingegen Spielecken erachtet, entweder weil das Kind gezielt mit einkaufen will und sonst auch der Lerneffekt verloren gehen würde oder weil dies den Einkauf nur unnötig verlängern würde. Voraussetzung für die Nutzung ist in jedem Fall die Anwesenheit einer Aufsichtsperson, die die Sicherheit der Kinder gewährleisten kann.

Als ein großer Stressfaktor wurde von vielen Eltern der Kassenbereich identifiziert: Angefangen von der Quengelware und verschreckenden Bildern auf Zigarettenpackungen, über die langen Wartezeiten bis hin zu dem Problem, die Waren auf das Band zu legen, zu bezahlen, alles wegzuräumen und gleichzeitig noch das Kind nicht aus den Augen zu verlieren. Oftmals befindet sich der Ausgang des Ladens auch direkt hinter den Kassen, sodass die Gefahr groß ist, dass Kinder während des Bezahlens einfach hinausrennen.

Weitere Hürden und Probleme sind:

Trotz vieler Stressmomente können 80% unserer Befragten während des Einkaufs gelassen bleiben und in 2 von 3 Fällen sind höchstens sie selbst diejenigen, die sich stressen. Weitere Stressfaktoren: Die Blicke und Tuscheleien der anderen Einkaufenden (25 %) und die genervten Kassiererinnen und Supermarktangestellten (18%).

Übrigens: Wenn man gerade in schwierigen Situationen „gut gemeinte“ Ratschläge von Fremden bekommt, sollte man versuchen ruhig zu bleiben und nicht noch einen zweiten Konfliktherd entstehen zu lassen. Am besten ist es, diesen freundlich mit einem Lächeln zu begegnen und sie entweder still zu ignorieren oder „deutlich zu machen, dass man seine eigene Art und Weise des Umgangs mit solchen Situationen hat“, so Erziehungsberater Maik Sawatzki. „Man unterliegt einem äußeren, sozialen Bewertungsdruck der anderen einkaufenden Menschen. Das kann bei Eltern Gedanken auslösen wie „Na super, ausgerechnet mein Kind schreit hier wieder rum, was wirft das denn für ein Licht auf mich?“. Wenn dann sogenannte „gut gemeinte“ Ratschläge von Fremden kommen, reagieren viele Eltern – verständlicherweise – dünnhäutig u.a. in Folge von Scham. Jede/r reagiert hier sicherlich anders, aber ich glaube, eine Konfliktverschärfung durch Antworten wie „Ach, kümmern Sie sich doch um ihren eigenen Kram“ ist hier eher nicht zu empfehlen.“

So sollte der Einkauf nicht ablaufen

Unsere Umfrageteilnehmer berichten von den nervenaufreibendsten Erlebnissen beim Einkaufen mit ihren Kindern. Bitte nicht nachmachen! Schmunzeln und Mitgefühl sind jedoch erlaubt.

Wie gehe ich am besten mit Wutanfällen meines Kindes um?

Für viele Eltern sicher kein unbekanntes Bild: Das Kind will beim Einkaufen unbedingt etwas haben und fängt an zu schreien und zu weinen, weil es zum Beispiel den Schokoriegel nicht bekommt. Auch hier hat unser Erziehungsberater hilfreiche Tipps: „Es gibt keine Patentrezepte für den Umgang mit einer solchen Situation. Welche Strategie funktioniert und welche nicht, hängt immer vom Kind und natürlich auch von den Eltern bzw. dem Elternteil ab, womit dieser sich wohl und sicher fühlt. Kontraproduktiv ist es jedoch, auf Schreiattacken mit verbaler Aggression (also zurückbrüllen / schreien) zu reagieren. Das bringt zusätzlichen Zündstoff in die Angelegenheit und treibt die Eskalation an. Zudem gehen Eltern so sicher, dass nun der gesamte Supermarkt die Situation mitbekommt, was zu einer richtig unangenehmen Situation werden kann. Gerade wenn Wut im Spiel ist, kommt man mit Gesprächen situativ oft nicht weiter. Das würde die Situation in den meisten Fällen eher noch schlimmer machen. Daher halte ich eine Mischung aus klaren, prägnanten Ansagen und „in Ruhe lassen“ sicherlich für am hilfreichsten. In jedem Fall sollten Eltern an dieser Stelle nicht nachgeben! Dies führt dann zukünftig dazu, dass das Kind lernt: „Wenn ich wütend bin und schreie, geben Mama und Papa eh irgendwann nach.“

Hier kann es eher helfen, dem Kind zu signalisieren, dass wütend sein erst einmal in Ordnung ist, nur die Art und Weise des Ausdrucks nicht. D.h. die Eltern müssen dem Kind helfen, mit der Wut anders umzugehen – auch in Einkaufssituationen. Denn das Gefühl „Wut“ ist prinzipiell nichts Schlechtes, der Umgang damit ist jedoch herausfordernd. Daher wird vielfach von der anschließenden Bestrafung des Wut-Verhaltens abgeraten, da das Kind so lernt, seine Gefühle zu unterdrücken, anstatt Umgangsformen mit der eigenen Wut zu erlernen. Dies stellt jedoch eine wichtige Lernerfahrung im Leben des Kindes dar.“

20 Tipps: Wie man mit Kindern ohne Stress und Frust einkaufen geht

Rechtlich auf Nummer sicher gehen – das gibt’s zu beachten

Da vor allem beim Einkaufen mit Kindern auch öfter mal etwas zu Bruch gehen kann, kommt man unweigerlich an den Punkt, wo man sich als Elternteil auch in Hinblick auf die rechtlichen Folgen und Gegebenheiten kundig machen muss. Wir versuchen hier die wichtigsten Fragen zu klären, geben aber auch zu bedenken, dass es oftmals auf den speziellen Einzelfall ankommt und übernehmen daher keine Gewähr für unsere Angaben.

Wer muss dafür aufkommen, wenn mein Kind etwas kaputt macht?

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Kinder unter einem Alter von 14 Jahren schuldunfähig sind. Sollten sie also etwas kaputt machen (ob Waren oder die Einrichtung eines Ladens), muss in erster Linie geschaut werden, ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht fahrlässig vernachlässigt haben und dann ggf. für den Schaden aufkommen müssen.

Was kann man tun, wenn jemand unberechtigterweise auf einem Eltern-Kind-Parkplatz parkt?

Wenn man den Fahrer des PKWs direkt antrifft, ist es am besten, einfach höflich auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Ist aber niemand in Sichtweite, dann kommt man nicht drumherum, woanders zu parken. Auch auf dem Parkplatz hat der Supermarkt Hausrecht, grundsätzlich wäre es dem Marktleiter also möglich, den Falschparker abschleppen zu lassen. Üblicherweise wird dies aber nicht gemacht, da der Händler die Kosten für den Abtransport auslegen müsste und erst anschließend von dem Fahrer zurückfordern könnte – dieser Aufwand ist in den seltensten Fällen gerechtfertigt, vor allem wenn es noch viele andere freie Parkplätze gibt.

Wie sollte man sich am besten verhalten, wenn mein Kind etwas unbemerkt aus dem Laden mitgenommen hat, ohne dass es bezahlt wurde?

Wie eingangs erwähnt, sind Kinder unter 14 Jahren straffrei. Handelt es sich um eine Kaugummipackung oder ähnlich kleine Gegenstände, bei denen man den Eltern nicht vorwerfen kann, dass sie die Mitnahme hätten mitbekommen müssen, wird es höchstwahrscheinlich auch keine strafrechtlichen Konsequenzen haben, wenn das unbezahlt mitgenommene Produkt zurückgebracht wird. Bei größeren Gegenständen könnte man unter Umständen eine Verletzung der Aufsichtspflicht unterstellen, sodass die Eltern dann die rechtlichen Konsequenzen dieses Diebstahls tragen müssen. In jedem Fall sollte man das Produkt zurückbringen, sobald man es merkt.

In Zusammenarbeit mit:

Maik Sawatzki ist Erziehungswissenschaftler/Sozialpädagoge M.A., arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft im Arbeitsbereich Sozialpädagogik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, sowie als Berater in einer Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche.

  • n=505
  • 70% der Befragten sind weiblich, 30% männlich
  • 16% davon sind alleinerziehend
  • Durchschnittsalter der Kinder insgesamt: 6,3 Jahre
  • Anzahl der Kinder pro Haushalt:
1 Kind2 Kinder3 Kindermehr als 3 Kinder
52%36%9%3%

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