Das Rückgaberecht im Einzelhandel Was solltest du bei Umtausch und Garantie beachten?

Es kursiert eine Vielzahl von Begriffen und mehr oder weniger eindeutigen Definitionen für das Rückgaberecht im deutschen Einzelhandel. Grundlegend geregelt und für alle bindend sind jedoch nur die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zum privaten Kauf von Waren. Wir haben dir daraus die wichtigsten Informationen zusammengestellt und beantworten alle deine Fragen rund um das Umtauschrecht.

Wie sind die Begriffe Umtausch, Rückgaberecht und Garantie definiert?

Gesetzlich verankert ist lediglich der Begriff “Garantie”, denn das ist eine Verpflichtung, die sich das jeweilige Handelsunternehmen selbst auferlegt und die die gesetzlichen Mindestanforderungen erweitert. Diese Erklärung ist dann für alle Kaufverträge bindend. Die Begriffe Rückgaberecht und Umtausch spielen nur in ihrer übertragenen Bedeutung eine Rolle. Grundlegend spricht man von “Mängelansprüchen”, wenn das jeweilige Produkt kaputt ist oder einen Schaden hat, der das Aussehen oder die Benutzung beeinträchtigt. Dann kannst du als Verbraucher eine Nacherfüllung fordern. Du hast die Wahl zwischen Reparatur oder Umtausch, also der Bereitstellung eines einwandfreien gegen das mangelhafte Produkt. Der Händler kann auf diese Entscheidung nur dann einwirken, wenn die Kosten für eine der Varianten unverhältnismäßig hoch sind. Wichtig zu wissen ist nämlich, dass immer der Verkäufer für alle Kosten rund um die Mängelbeseitigung verantwortlich ist, so auch für Transport- und Materialkosten. Wenn sowohl der Umtausch als auch die Reparatur abgelehnt werden, kannst du von deinem Rückgaberecht Gebrauch machen, also von dem Kaufvertrag zurücktreten und dein Geld zurückfordern. Dies gilt auch, wenn die Reparatur zweimal nicht erfolgreich war, kein neues Produkt der gleichen Art für einen Umtausch zur Verfügung steht oder die Nacherfüllung unzumutbar für dich ist, z.B. durch zu lange Wartezeiten.

Welche Fristen gibt es?

Dein Anspruch auf ein mängelfreies Produkt beläuft sich laut aktueller Gesetzgebung auf zwei Jahre, wobei nur innerhalb der ersten sechs Monate davon ausgegangen werden kann, dass es diesen Mangel bereits zum Zeitpunkt des Kaufs gab. Lässt sich also beispielsweise nach drei Monaten dein neues Smartphone nicht mehr problemlos bedienen, wäre das ein Fall für die Nacherfüllung. Im Gegensatz dazu stellt ein Riss im Display, verursacht durch einen Sturz, auch innerhalb der ersten sechs Monate kein Anspruchskriterium dar. Tritt nach einem halben Jahr ein Schaden auf, so musst du nachweisen, dass dieser nicht durch unsachgemäße Handhabung zustande gekommen sein kann. Schäden und Mängel, die nach zwei Jahren auftreten, sind möglicherweise durch die Garantie des Händlers abgedeckt. Dann gelten alle darin gemachten Erklärungen und Bedingungen. Hier musst du dich jeweils direkt beim Händler schlau machen.

Lebensmittel zurückgeben – geht das?

Wenn du im Supermarkt Lebensmittel wie bspw. verpackte Paprika oder Joghurt gekauft hast und zu Hause feststellst, dass diese schon vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verdorben sind, dann kannst du sie zurückgeben. Auch hier gelten die Vorschriften des Mängelanspruchs und der Nacherfüllung – aus Kulanz bekommt man aber auch oft sein Geld zurück.

Stimmt es, dass reduzierte Ware vom Umtausch ausgeschlossen ist?

Auch im Preis reduzierte Ware muss einwandfrei sein – ist diese es nicht, kannst du sie umtauschen; Angebote haben keinen Sonderstatus. Ausnahmen stellen nur Produkte dar, die als “2. Wahl” oder “mit Schönheitsfehlern” gekennzeichnet sind. Hier ist von gewissen Mängeln auszugehen. Ist dir als Verbraucher bewusst, dass du ein Produkt mit Fehlern kaufst, hast du auch keinen Anspruch auf Nacherfüllung.

Kann ich Produkte nur mit Kassenbon umtauschen?

Grundsätzlich musst du lediglich nachweisen können, dass du die Ware bei dem jeweiligen Händler erworben hast – der Kassenzettel ist dabei die einfachste Variante. Es würde aber auch ein Kontoauszug, eine Kreditkartenabrechnung oder sogar ein Zeuge, der beim Kauf anwesend war und diesen bestätigen kann, reichen.

Ist ein Umtausch nur mit Originalverpackung möglich?

Oftmals begegnet man Schildern auf denen “Umtausch nur in Originalverpackung” steht- dies ist rechtlich gesehen jedoch keine bindende Voraussetzung für den Umtausch oder die Rückgabe defekter Ware. Dein Keller muss also nicht mit zahlreichen Verpackungen der letzten zwei Jahre zugemüllt werden.

Habe ich ein Rückgaberecht bei Fehlkäufen?

Wenn die gekaufte Ware keinerlei Mängel aufweist, dann hast du auch kein Umtauschrecht – auch wenn es versehentlich das falsche Produkt war, zu dem du gegriffen hast. Rechtlich gesehen hat sich hier der Händler nichts vorzuwerfen. Nichtsdestotrotz kannst du es aber trotzdem mal versuchen und nett um eine Rückgabe bitten – manchmal sind die Unternehmen in solchen Fällen doch sehr kulant.