Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Craftbeer – Biertrinker werden es lieben!

Unter “Craftbier” versteht man handwerklich gebrautes Bier, dass durch individuelle Geschmacksrichtungen und Sorten überzeugt. Mehr Infos dazu gibts hier.
Loader

Marktjagd-Experte Martin erklärt den Reiz von Craftbeer:

 

Deutschland ist eine wahre Bier-Trinker-Nation. Es gibt zahlreiche Biersorten und vor allem Biermarken. Fünf Biere aufzuzählen, fällt sicher wenigen schwer, doch was ist eigentlich Craftbier? Mit “Craftbier” wird handwerklich gebrautes Bier bezeichnet. Anders formuliert: Craftbeer ist der genaue Gegensatz zu industriell hergestelltem Bier internationaler Megakonzerne. Craftbierbrauereien sind klein, sie stellen ihr Bier in Handarbeit her, sie sind regional, sie verwenden hochqualitative Zutaten, sie sind nicht selten sogar “Bio”. Und genau das schmeckt man. Industriell hergestellte Biere zeichnen sich inzwischen vor allem dadurch aus, dass sie einer breiten Masse internationaler Konsumenten schmecken müssen. Bei Jahresproduktionsmengen im Millionen-Hektoliter Bereich bleibt kein Spielraum für individuelle Geschmäcker. Die Folge ist, dass das Bier seinen Geschmack – seine eigentliche Seele – verliert. Selbst eingefleischte Bierfreunde sind meist nicht in der Lage ihr vermeintliches Lieblingsbier aus fünf anderen Supermarktbieren herauszuschmecken.

Mit “Craftbeer” zurück zur Bierkultur

Dieser Industrietrend führte dazu, dass sich eine Untergrund-Gegenbewegung entwickelte. Gasthausbrauereien, Klein- und Hobbybrauer erleben eine langsame aber kaum mehr aufzuhaltende Renaissance. In den USA wurde es vorgemacht: Erst gab es die Prohibition und danach eine Bewegung der Industrie hin zu “Light”-Bieren, die selbst hartgesottenen europäischen Biertrinkern schwer als Bier zu verkaufen sind. Auch hier erlebten sogenannte Microbreweries in den letzten 20 Jahren einen wahren Boom. Rezepte längst vergangener Tage, neue Hopfensorten und viel Liebe zum Produkt brachten Biere hervor, die seit vielen Jahren bei internationalen Wettbewerben die klassischen Biernationen aus Europa regelmäßig alt aussehen lassen und auf die Plätze verweisen.

Auch in Deutschland und Österreich bewegt sich was

Auch hierzulande blieb nicht lange verborgen, was sich da in den USA tat. Und so begannen auch hier Kleinbrauer zunächst mit den bekannteren Bierstilen wie Lager, Pils und Weizen ihre eigenen geschmackvollen Sude herzustellen. Schnell entdeckten diese Brauer aber, dass das Biervolk reif für noch mehr Biervielfalt war. Bis dato hier unbekannte Bierstile wie “Indian Pale Ale” –  inzwischen der Vorzeige-Craftbierstil –  kamen auf den Markt. Alle diese Biere der kleinen Brauereien hatten aber eines gemeinsam: Sie waren für den lokalen Geschmack gebraut und mussten nicht auch auf Vorlieben von Kunden in Übersee Rücksicht nehmen; die Biere bekamen ihre geschmackliche Seele wieder eingehaucht.

Bier wird mit Craftbeer wieder salonfähig

Lange Zeit hatte Bier auch in der allgemeinen Wahrnehmung ein Imageproblem – insbesondere im direkten Vergleich mit Wein. Letzterer galt als chic, hochqualitativ und gesellschaftsfähig. Dem Bier blieb nur die Rolle des leicht proletoiden Durstlöschers, den sich die Konzerne mit Preisen deutlich unter einem Euro je Liter auch selbst erarbeitet hatten. Hochpreisige Biere, bei denen eine kleine ausgefallene Flasche Bier auch einmal 4-5 Euro kosten kann? Vor einigen Jahren noch undenkbar!
Heute jedoch nicht mehr. Inzwischen muss man Bier wieder als Genussmittel ernst nehmen, das zwar nicht mit Wein konkurrieren will, aber gleichermaßen positioniert gehört.

Bier wird seit fast 500 Jahren nach dem Reinheitsgebot von 1516 nur aus Wasser, Malz und Hopfen gebraut (Bierhefe war damals noch nicht bekannt). Diese lange Zeit haben wir uns genommen, um zu verlernen, diese Zutaten so zu nutzen, dass das Bier seinen individuellen Geschmack bekommt. Bei Bier, wie bei einem guten Glas Wein, beginnt der Genuss schon beim Riechen. Ungewohnt ist, dass Hopfen auch fruchtige, tropische, blumige, holzige oder kräuterartige Aromen entfalten kann, die perfekt zu einem Bier passen. Dunkle Stout-Biere zum Beispiel aufgrund der verwendeten Malzmischungen Geschmacksnoten von Bitterschokolade oder Lakritz besitzen können, ohne das einem der Magen verklebt.

Eintauchen in eine neue Geschmackswelt

Man merkt schnell, dass es durchaus auch Biere geben mag, die man erst kennenlernen muss bzw. die auch vielleicht so gar nichts für den eigenen Geschmack sind. Das ist durchaus auch gewollt und gut so und unterscheidet den Biertrinker durch Nichts vom Weintrinker. Es gilt also: Augen offen halten. Craftbiere beginnen vereinzelt in gut sortierten Supermärkten verfügbar zu sein. Das Internet bietet zahlreiche Informationsmöglichkeiten und man kann schnell eine Kleinbrauerei in der Nähe finden, bei der man gutes Bier kaufen kann. Eine Vor-Ort-Verkostung ist bestimmt auch kein Problem. Auch in Feinkostläden berät man inzwischen sehr kompetent in Sachen Bier. Und sogar Weinhandlungen führen nicht selten ausgewählte Biersorten. Die lokale Presse gibt zudem Auskunft über Veranstaltungen zum Thema “Bier-Tastings”, bei denen Fachleute die neuen Bierstile Einsteigern erklären.

Allerdings gibt es ein Nebenwirkung: Wer sich auf “Craftbeer” einlässt, muss sich von seinem heutigen Lieblingsbier definitiv bald verabschieden. Die Bierwelt wird dann nie wieder so sein, wie sie heute ist.

 

>> Hier gibt es die aktuellen Bier- und Getränkeangebote deiner Stadt

 

Martin Voigt von proBier.at ist leidenschaftlicher Biertrinker und -kenner, braut selber Craftbeer und gibt auf seinem Blog viele Infos zu verschiedenen Brauereien und Biersorten.

Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Verbrauchertipps