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Die Erfolgsgeschichte Haribos

Wer mag sie nicht - die bunten Gummibären in allerlei Geschmacksrichtungen? Wir zeigen euch, wie der Trend um die Süßigkeit entstand.
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„Haribo macht Kinder froh – Und Erwachsene ebenso“ – Ist das nicht der mit Abstand bekannteste Werbespruch Deutschlands? Bereits zu Großmutters Zeiten bewarb Haribo seine süßen Leckereien mit diesem Ohrwurm, der sich so seit über 80 Jahren nun in den Köpfen aller Naschkatzen regelrecht eingebrannt hat. Doch wie kam es, dass dieser Spruch über die ganze Zeit hinweg einfach nicht langweilig wurde und die viel gepriesenen Goldbären auch heute noch nicht aus dem Süßwarensortiment wegzudenken sind?
All das hatte einen Anfang und der liegt bei Haribo knapp 100 Jahre in der Vergangenheit. Machen wir also eine Zeitreise in die zweite Dekade des 20. Jahrhunderts, der Zeit der Gründung Haribos.

Ein Tanzbär zum Naschen

Hans Riegel, 1893 in Friesdorf bei Bonn geboren, war zur Zeit des frühen 20. Jahrhunderts ein ausgebildeter Bonbonkocher. Dabei begann er seine Karriere nicht sofort als Eigentümer einer eigenen Süßigkeitenmanufaktur, sondern fing ganz von unten an, als Produktionshelfer verschiedenster Süßigkeitenhersteller. Nach dem 1. Weltkrieg ging es für Hans Riegel weiter voran. Er wurde Teilhaber der Firma Heinen, ein in Bonn ansässiger Süßigkeitenhersteller. Doch das reichte Hans Riegel nicht. Schon 2 Jahre später im Jahr 1920 begann der nun 27jährige in einer kleinen Hinterhof-Waschküche mit einem Sack Zucker und einem Kupferkessel als Startkapital sein eigenes Unternehmen zu gründen. Am 13. Dezember 1920 war, mit einem Eintrag im Handelsregister Bonn, die Firma Haribo geboren. Dabei ist der Markenname Haribo ein Akronym und setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Worte Hans Riegel Bonn. Haribos erster Mitarbeiter, wie hätte es auch anders sein sollen, war Hans Riegels Frau Gertrud.
Haribos erster großer Durchbruch gelang dem jungen Ehepaar zwei Jahre später. Denn im Jahre 1922 erfand Hans Riegel den Haribo Tanzbären. Wie er darauf kam? Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es Brauch auf Festlichkeiten gut dressierte Bären zur Unterhaltung aufzuführen. Hans Riegel ließ sich von diesem Brauch inspirieren und erzeugte daraufhin ein Gummitierchen in Bärenform, das an diesen bereits aus der Mode gekommenen Brauch erinnern sollte. Der Tanzbär gilt somit als der Vorgänger des heute legendären Goldbären.
 

 

Obwohl sich Hans Riegel von alten Bräuchen inspirieren ließ, war er keineswegs altmodisch. Der Tanzbär wurde rasch zum Verkaufsschlager. Das Ehepaar kam mit der Lieferung nicht mehr hinterher. Daraufhin besorgten sich Gertrud und Hans bereits im Folgejahr eines der ersten Automobile, um den wachsenden Bedarf der Süßigkeitenläden nach Haribos Gummitierchen gerecht zu werden. Schuld an dieser raschen Nachfrage war dabei nicht nur die neumodische Leckerei in Bärenform sondern auch die stetige Erweiterung der Produktpalette. Neben Tanzbären und den ebenfalls bekannten Gummiteufeln hat sich Haribo auch auf die Lakritzproduktion gestürzt und warb mit der gesunden Wirkung von Lakritze.

Ein Spruch geht um die Welt

Der kommerzielle Erfolg gelang Haribo 10 Jahre später. Das Unternehmen ist mittlerweile auf 160 Mitarbeiter angewachsen und etablierte ein clever durchdachtes Netzwerk aus Handelsvertretern, das ganz Deutschland mit den verschiedensten Süßigkeiten aus dem Hause Haribo versorgte. 1933 war es dann soweit: Der kurze und einprägsame Werbespruch „Haribo macht Kinder froh“ wurde von einem Werbetexter erfunden. Das Ironische an der ganzen Geschichte ist, dass Hans Riegel den armen Tropf für seine Dienstleistung damals mit 20 Reichsmark entlohnte. Heute wissen wir, dieser Werbespruch ist neben dem Goldbären einer der Grundpfeiler für Haribos Erfolgsgeschichte.
Haribo schwört noch bis heute auf seine Marketingstrategie: Erfolgreiche Werbebotschaften müssen einfach sein und den Kunden ohne großes Nachdenken dazu bringen das Produkt mit dem Hersteller zu verbinden. Weltweit wirbt Haribo mit auf die jeweilige Sprache angepassten Werbesprüchen und einer einprägsamen Melodie zum Mitsingen. Eine Auswahl gefällig?
 

  • Frankreich: Haribo, c’est beau la vie – pour les grands et les petits // Haribo, das Leben ist schön – für die Großen und die Kleinen
  • England/USA: Kids and grown-ups love it so – the happy world of Haribo // Kinder und Erwachsene lieben sie so – die fröhliche Welt von Haribo
  • Norwegen: Haribo … den er go’ // Haribo … die sind gut
  • Niederlande: Haribo maakt kinderen blij – volwassenen horen ook daarbij // Haribo macht Kinder froh – Erwachsene gehören auch dazu

Haribo und sein Gummibär erfinden sich neu

Kehren wir ein letztes Mal zur Geschichte Haribos zurück. Das Unternehmen erreichte seinen Tiefpunkt im Jahre 1945. Hans Riegel starb während der Kriegswirren und die Betriebe lagen brach. Gertrud Riegel nahm nun die Zügel in die Hand und baute Haribo mit 30 Mitarbeitern neu auf. Nachdem ihre Söhne Paul und Hans Riegel aus ihrer Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, übernahmen sie 1946 die Leitung. Von nun an war Hans Riegel bis zu seinem Tod (2013) für Vertrieb und Marketing zuständig und sein Bruder Paul (bis 2009) für die Produktion. Das Familienunternehmen mit seiner Tradition allen männlichen Nachkommen den Namen Hans als Haupt- oder Beinamen zu geben, wuchs rasch zu alter Größe heran. Bereits im Jahre 1950 unterhielten die Haribo-Produktionsstätten 1000 Mitarbeiter.
1960 geschah es dann: der klassische Haribo Tanzbär feierte sein Revival als Haribo Goldbär. Das Fruchtgummi erhielt seine heute noch bekannte Form und die Verpackung ein neues Design, das von nun an den Goldbären als Werbemaskottchen abbildete. Neben den einprägsamen Werbesprüchen sollte nun der Haribo Goldbär mit seiner typisch roten Halsschleife ein weiterer Eckpfeiler in Haribos Erfolgsgeschichte werden. Dabei setzte Haribo weiterhin stark auf clever platzierte Werbung: 1962 ergänzten sie ihren Werbespruch „Haribo macht Kinder froh“ um dem Zusatz „Und Erwachsene ebenso“ und erkannten die Vorteile des recht neuen Mediums Fernsehen. Haribos erster Werbespot flimmerte im selben Jahr über den Bildschirm.
 

Haribos gekonnte Werbe- und Produktstrategie

Dabei ist Haribos Werbestrategie bis heute stets die Gleiche geblieben und unterscheidet sich teilweise sehr stark von seiner Konkurrenz. Die Werbung muss kein Kunstwerk sein, sondern lediglich ein Träger für ihre leicht zu merkenden Werbesprüche. Auf den Werbespruch kommt es an! Zum Vergleich, wie verschieden die Strategien sein können, rufen wir uns einfach mal die Edeka Werbung ins Gedächtnis zurück. „Supergeil“, #heimkommen oder die Kassensymphonie – Mit diesen viralen Clips versucht Edeka heute äußerst erfolgreich in den Köpfen der Menschen hängen zu bleiben. Dagegen verfolgen sie fürs Fernsehen die gleiche Strategie wie Haribo über lustige Clips den Slogan „Wir lieben Lebensmittel“ zu vermitteln.
Haribo setzt ab den 90er Jahren nun auch auf ein reales Werbegesicht, womit die Zuschauer die Marke Haribo verbinden konnten. Erst Thomas Gottschalk, der mittlerweile das Zepter an Michael Bully Herbig weiterreichte.
Während der letzten 25 Jahre passte Haribo auch das Produktsortiment den Bedürfnissen seiner Kunden an. Die Goldbären waren eines der ersten Gummitiere, die keine künstlichen Farbstoffe mehr enthielten, sondern nur noch natürliche Farbstoffe, wie Johannisbeersaft.
 
haribo-gummitiere

Wie sich Haribos Erfolgsgeschichte heutzutage auszahlt, lässt sich an ein paar Fakten zeigen:

  • Pro Tag produziert Haribo 100 Millionen Goldbären, das sind pro Jahr 36,5 Milliarden Gummibären. Würde man die Jahresproduktion an Goldbären aneinanderreihen, könnte man damit 4x die Welt umrunden.
  • Nach Verbraucherumfragen verbinden 98% aller Deutschen Haribos bekanntesten Werbespruch mit den Goldbären. „Haribo macht Kinder froh – Und Erwachsene ebenso“ hat damit die höchste Produktwiedererkennungsrate aller Werbesprüche in Deutschland.
  • Das Grüne Gummibärchen schmeckt erst seit 2007 nach Apfel. Damit gesellte sich eine neue Geschmacksrichtung zu den Goldbären hinzu. Vorher schmeckte der grüne Goldbär nach Erdbeere. Rot war bereits mit dem Himbeergeschmack belegt. Nun ist Himbeere dunkelrot und Erdbeere hellrot.
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