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Die Geschichte rund um die Herrnhuter Sterne

Er ist unverzichtbarer Bestandteil der Weihnachtsdeko - doch woher kommt der Herrnhuter Stern und was macht ihn aus?
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Kaum etwas ist schöner als an einem Abend im Winter, dick eingepackt in eine wärmende Jacke, einen kleinen Spaziergang einzulegen. Sollten sich die Sterne am Himmel zu dieser Zeit noch nicht blicken lassen oder sich hinter den Wolken verstecken, so kann man gewiss sein, dass andere Sterne für sie leuchten werden, denn zur Weihnachtszeit hängt er fast überall: Der Herrnhuter Stern.

Der charakteristische Stern mit seinen 25 Zacken leuchtet in allen erdenklichen Farben unter Vordächern, in Wohnzimmerfenstern oder auf dem Balkon. Ob von der Oma zu Weihnachten bekommen, selbst gekauft, weil er an das Elternhaus erinnert oder verschenkt als Symbolbild für Weihnachten und Zuhause – ein Herrnhuter Stern findet sich in vielen Haushalten. Doch obwohl ihn jeder kennt, wissen wohl nur die Wenigsten etwas über die Herkunft dieser eingängigen Weihnachtsdeko. Dabei sind die Hintergründe des Sterns selbst eine kleine Weihnachtsgeschichte wert.

Dekosterne gegen das Heimweh

Anfang des 19. Jahrhunderts, also schon vor über 160 Jahren, entstand im Schloss der Herrnhuter Brüdergemeinde in Sachsen der erste Stern. Viele Mitglieder der Gemeinde reisten als Missionare in die ganze Welt. Die eigenen Kinder blieben in Herrnhut im Internat und verbrachten die Weihnachtszeit oft ohne ihre Eltern. Ein Erzieher wollte den Kindern im Internat ein besseres Verständnis von geometrischen Formen vermitteln und bastelte daher mit ihnen in der Adventszeit einen Stern aus Papier und Pappe. Mit einer Kerze ausgestattet leuchtete der erste Stern in den Räumen des Internats der Herrnhuter Brüdergemeinde. Die Sterne konnten zwar die Eltern nicht ersetzten, jedoch wurden sie zum Symbol für Frieden und Hoffnung in der Adventszeit. Seitdem bastelten die Kinder in Herrnhut am ersten Sonntag im Advent einen Stern und brachten den Brauch in ihre Familien. Noch heute ist es in vielen Familien Tradition, den Stern am ersten Advent gemeinsam im Kreis der Familie aufzubauen.

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Von Papier über Metall zu Kunststoff – die Entwicklung des Sterns

Die Tradition sollte jedoch bald über die Grenzen von Herrnhut hinauswachsen, als der Geschäftsmann Pieter Hendrik Verbeek Ende des 19. Jahrhunderts einen ersten Stern aus Metall und Papier herstellte. Dieser erste stabile, zusammensetzbare Stern besaß einen Metallkörper mit Schienen, in die die Papierzacken mit Metallrähmchen aufgeschoben werden konnten. Durch die Zerlegbarkeit und die Stabilität des neuen Sterns konnte der Stern so zum ersten Mal versendet werden.

Bestätigt durch den großen Erfolg entwickelte Verbeek in den nächsten Jahren die Bauweise des Sterns weiter und gründete die „Sterngesellschaft mbH“. 1925 meldete er Patent auf den ersten körperlosen Stern an. Nach dieser Bauweise wird der Stern noch heute in Handarbeit hergestellt. Das Original machen die 25 Zacken, davon 17 viereckige und 8 dreieckige, aus.

Seit 1982 wird der Stern aus Kunststoff hergestellt und kann so auch im Außenbereich aufgehangen werden. Der wasserfeste Stern ist in acht verschiedenen Farben und vier Größen zwischen 13 und 130 cm erhältlich. So können die Sterne nicht nur zu Hause leuchten, sondern auch öffentliche Plätze, Kirchen, Straßen und Einkaufspassagen schmücken.

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Tipps für einen weihnachtlichen Tagesausflug

Noch heute sitzt die Manufaktur an ihrem ursprünglichen Ort. Daher nennen die Bewohner ihre Heimat auch gern Ort der Sterne. Zu der Manufaktur gehört seit 2010 auch eine Schauwerkstatt, in der die Besucher den Mitarbeitern über die Schulter schauen und sich sogar selbst einmal am Handwerk versuchen dürfen. Vorher kann man sich noch in einer umfassenden Ausstellung zur Geschichte des Sterns informieren. Sowohl der Eintritt als auch die Führung durch die Ausstellung sind kostenfrei.

Auch das historische Ladengeschäft, in dem die ersten Sterne verkauft wurden, können besucht werden. Der kleine Laden des Werksverkaufs lädt zum Stöbern ein und hat neben den Herrnhuter Sternen auch noch hochwertiges Kunsthandwerk, Porzellan und viele weitere Dinge im Sortiment.

Ein Tagesausflug in die Stadt der Sterne lohnt sich in jedem Fall. Aufgrund der Öffnungszeiten sollte bei einem Wochenendausflug allerdings beachtet werden, dass die Manufaktur und der Werksverkauf an einem Sonntag oder Feiertag geschlossen sind.

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