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Foodwatch hat getestet: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

Wie kommt Mineralöl in Lebensmittel und was sind aromatische Mineralöle überhaupt? Diese und weitere Fragen klären wir hier.
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Die Gefahr soll von Reis, Grieß, Cornflakes, Linsen und Haferflocken ausgehen. Eben jene Lebensmittel, die eigentlich als Grundlage für eine gesunde Ernährung gelten. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat in vielen dieser Lebensmittel Rückstände von Mineralöl entdeckt. Jedes fünfte getestete deutsche Produkt war mit aromatischen Mineralölen belastet. Doch woher kommt Mineralöl? Und wie gelangt es in unsere Lebensmittel? Was kann der Verbraucher machen, um möglichst keine gefährlichen Stoffe zu konsumieren? Alle Antworten auf diese Fragen finden sich in unserem Verbrauchertipp:

Was ist Mineralöl?

Mineralölkomponenten werden in zwei Gruppen unterteilt: Die aromatischen Mineralöle (MOAH) und die gesättigten Mineralöle (MOSH). Besonders MOAH wird nachgesagt, dass sie gefährlich sind. Es wird vermutet, dass sie Krebs erregen können und das Erbgut verändern. Außerdem beeinflussen sie das Hormonsystem. Die gesättigten Mineralöle (MOSH) kommen deutlich häufiger in der Natur vor. Sie können sich in Körperorganen anreichern und diese so schädigen. Experten gehen davon aus, dass jeder Mensch im Durchschnitt etwa 1 Gramm Mineralöl im Körper trägt. Sie sind somit, von der Menge her, die größte Verunreinigung im menschlichen Körper.

Wie gefährlich sind Mineralöle?

Bei krebserregenden Substanzen gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Konsummenge. Daher wurde die Aufnahme von MOAH generell durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit als bedenklich eingestuft. Nicht nur Mineralöle, sondern auch viele andere Substanzen stehen in Verdacht in Altpapier enthalten zu sein und somit auch in Verpackungen. Diese bedenklichen Substanzen können also ungehindert auf unsere Lebensmittel übergehen, wenn diese nicht nochmals separat verpackt sind. Abschließende toxikologische Studien zu diesem Gebiet gibt es jedoch noch nicht. Wie groß genau die Gesundheitsgefahr ist, wenn man diese Substanzen aufnimmt, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

altpapier

Wie kommt Mineralöl ins Essen?

Eingepackt werden die meisten Lebensmittel in Schachteln aus Altpapier. Auch wenn diese Art der Verpackung sehr ökologisch ist, bringt die Verwendung von Altpapier als Lebensmittelverpackung gesundheitliche Risiken mit sich. Denn in Altpapier können Mineralöle aus alten Druckfarben enthalten sein, die dann aus dem Karton in die Lebensmittel übergehen. Auch Lösungsmittel und Weichmacher lassen sich in diesen Verpackungen finden. Sie stehen unter Verdacht das Hormonsystem zu beeinflussen. Wie viel dieser gefährlichen Stoffe in die Nahrungsmittel übergehen, hängt davon ab, wie lange und wie die Lebensmittel gelagert werden. Besonders stark betroffen sind trockene Produkte mit großer Oberfläche und langer Haltbarkeit, wie Reis, Haferflocken, Grieß oder Nudeln.

Auch Lebensmittel, die in frischem Papier eingepackt sind, können Mineralöle enthalten, da sie oftmals in großen Kartons aus Altpapier transportiert werden. Oftmals werden auch direkt auf der Lebensmittelverpackung Druckfarben verwendet, die Mineralöle enthalten und die unser Essen so verunreinigen. Teilweise gelangen Mineralöle auch ganz gezielt in die Lebensmittel als Schmier- und Hydrauliköle bei Ernte- oder Produktionsmaschinen oder als Staubbinder zur direkten Behandlung der Ernte.

Wie kann ich mich davor schützen?

Viele dieser Faktoren, die zu Mineralölrückständen in Lebensmitteln führen, lassen sich durch den Verbraucher nicht beeinflussen. Wichtig ist daher, dass die Verbraucher beim Einkaufen, Kochen und Lagern von Lebensmitteln wachsam sind und folgende Ratschläge beherzigen:

Beim Einkaufen:

  • Besonders dunkle Kartons haben meist einen hohen Recyclinganteil. Hellere Pappen oder Papierbeutel sind meistens aus Frischfaser und tragen nicht das Risiko von Mineralölen. Aufgepasst werden muss jedoch bei den Farben, die auf die Verpackung gedruckt sind. Diese können Mineralöle enthalten.
  • Oft werden verpackte Lebensmittel im Supermarktregal noch zusätzlich in Kartons gelagert. Diese Pappen enthalten auch oft Mineralölrückstände, die in die Lebensmittel gelangen können. Der Verbraucher sollte also darauf achten, dass die Lebensmittel nie direkt mit der Pappe in Kontakt kommen. So kann das Risiko vermindert werden.

Beim Kochen:

  • Tiefkühlware wird oft in Recyclingkartons verkauft. Hierbei handelt es sich um Gebäck, Fertiggerichte, Obst oder Gemüse. Diese sollten unbedingt im gefrorenen Zustand aus der Verpackung genommen und ohne den Karton im Kühlschrank aufgetaut werden.
  • Durch das Kochen geht ein Teil des angereicherten Mineralöls mit dem Wasserdampf verloren. So kann das Kochen der Lebensmittel den Mineralölanteil in der Nahrung senken. Wie hoch dieser Anteil ist, ist jedoch noch nicht erwiesen.

einweckglas

Beim Lagern:

  • Trockene Lebensmittel, wie Reis, Grieß oder Cornflakes sollten insbesondere bei langer Lagerung in Vorratsdosen umgefüllt werden. Durch die lange Lagerung können besonders viele Rückstände auf die Lebensmittel übertragen werden. Sehr wichtig ist das rasche Umfüllen, wenn der Inhalt direkt mit dem Karton in Kontakt kommt.
  • Aluminium ist die wirksamste Barriere gegen Mineralölrückstände. Daher ist Säuglingsnahrung immer durch einen Innenbeutel geschützt. Da Aluminium jedoch aus ökologischen Gründen sehr bedenklich ist, sollte das Einpacken in Aluminium nur eine Notlösung sein.
  • Innenbeutel bieten eine Zeit lang ausreichend Schutz vor dem Übergang von Mineralölen auf das Essen. Bei Langzeitkontakt kann es jedoch sein, dass die Innenbeutel trotzdem durchlässig werden.

Welche Lösungen gibt es?

Gesetzliche Regelungen, wie eine Druckfarbenverordnung oder eine Mineralölverordnung könnten sicherstellen, dass keine Mineralöle mehr in Lebensmittel gelangen. So würden nur noch unbedenkliche Druckfarben auf die Lebensmittelverpackungen gelangen und eine Höchstgrenze für den Gehalt von Mineralölen in Lebensmittelverpackungen aus Altpapier festleget werden. Bevor hierfür jedoch vollständige und umfassende Gesetzentwürfe vorliegen, sollte der Verbraucher selbst auf seine Lebensmittel achten und die vorgeschlagenen Tipps beachten.
 

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Copyright Titelbild: Foodwatch

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