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Gift im Spielzeug – Schadstoffe im Kinderzimmer

Schwermetalle und Weichmacher im Spielzeug? Worauf muss man beim Spielzeugkauf achten? Wir erklären euch die wichtigsten Prüfsiegel!
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Spielzeug ist häufig mit Schadstoffen belastet. Über die Haut können Kinder mit gefährlichen Schwermetallen, Weichmachern und anderen gesundheitsgefährdenden Verbindungen in Kontakt kommen. Doch was muss man beachten, um sein Kind nicht durch giftige Stoffe im Spielzeug zu gefährden? Marktjagd-Expertin Danielle alias “Das gewünschteste Wunschkind” klärt über verwendete Materialien sowie gängige Prüfsiegel auf und gibt wertvolle Tipps zum Spielzeugkauf.

Prüfzeichen und -siegel – was bedeuten sie und welchen kann man vertrauen?

CE-Zeichen

Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller lediglich, dass sein Produkt den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Die Regelungen sehen zwar für einige Schadstoffe einen Grenzwert vor, diese sind nach Expertenmeinungen jedoch nicht niedrig genug. Darüber hinaus gibt es zu einer Vielzahl von nachgewiesen schädlichen Verbindungen keine Regelungen. Das CE-Zeichen hat in Bezug auf die Schadstoffe daher nur sehr begrenzte Aussagekraft, insbesondere weil eine unabhängige Kontrolle in der Regel nicht erfolgt.
Fehlt die Kennzeichnung, sollte man das Produkt auf gar keinen Fall kaufen, da es illegal auf dem Markt ist und der Schadstoffgehalt vermutlich stark erhöht ist.

Prüfsiegel

Produkte, mit dem Gütesiegel “Geprüfte Sicherheit” (GS) haben die Einhaltung der – leider unzureichenden – gesetzlichen Vorgaben von unabhängigen Instituten prüfen und bestätigen lassen. Auch der TÜV mit seinen Siegeln “TÜV Rheinland Proof Schadstoffgeprüftes Spielzeug” und “LGA” prüft nicht die Werte aller wichtigen Schadstoffe, die Aussagekraft der Siegel ist daher ebenfalls sehr beschränkt.

Wesentlich umfangreicher und aussagekräftiger sind die Prüfungen von Stiftung Warentest, ÖKO-Test, BUND oder Greenpeace. Die Tests dieser Institutionen sind in der Regel umfassend, daher können Produkte mit entsprechender Kennzeichnung guten Gewissens gekauft werden. Die strengsten Prüfkriterien hat das Gütesiegel “Blauer Engel”. Die Anforderungen sind jedoch so hoch, dass bisher kein einziges Spielzeug diese erfüllt.

Keine Rückschlüsse zur Schadstoffbelastung lassen die Prüfzeichen “Spiel gut”, “Fair-spielt”, “Spiel des Jahres” und “VDE” zu. Der Deutsche Familienverband Nordrhein-Westfalen e.V. bietet eine gute Übersicht über die gängigen Kennzeichnungen und deren rechtliche Grundlage: Familienratgeber.

Tipps für den Spielzeugkauf

Wie auch für Kinderbekleidung gilt für Spielzeug generell: gebraucht ist meist die bessere Alternative, da durch die vorherige Benutzung bereits eine Vielzahl von Schadstoffen ausdünsten konnte. Bei neuem Spielzeug sollte man sich vor dem Kauf umfassend informieren – einen besonders guten Anhaltspunkt bieten die Testergebnisse von Öko-Test und Stiftung Warentest. Im Laden sollte man sich außerdem auf seine Nase verlassen – was chemisch riecht, kann nicht gesund sein. Auf der Spielzeugverpackung sollte eine Herstelleradresse angegeben sein. Der Preis ist in der Regel ein guter Indikator für den Schadstoffgehalt. Zwar kann man nicht davon ausgehen, dass teure Produkte wenig Schadstoffe enthalten, es ist aber höchstwahrscheinlich, dass sehr günstiges Spielzeug auch stark schadstoffbelastet ist.

Nahezu ohne schädliche Substanzen sind Spielzeuge aus unlackierten, unverleimten, einheimischen Vollhölzern. Diese sind jedoch ein idealer Nährboden für Bakterien, weswegen sie entsprechend gepflegt werden müssen. Lackiertes Holz sollte unbedingt “speichelfest” sein – löst sich bereits bei bloßer Berührung Farbe, sollte man unbedingt die Finger davon lassen.

Plastikspielzeug sollte nicht aus Polyvinylchlorid und Polycarbonat bestehen – insbesondere bei Babys, die Spielzeug gern in Mund nehmen. Bessere Alternativen sind Polypropylen, Polyethylen oder Acetyl-Butyl-Styrol. Steht auf der Packung keine Angabe zum Material, kann man davon ausgehen, dass es sich um PVC handelt – in diesen Fällen lieber Hände weg! Häufig erkennt man am Recycling-Code die Kunststoffart – das ist ein Dreieck aus aufeinander zeigenden Pfeilen mit einer Zahl im Inneren und Buchstaben darunter – die Buchstabenkombinationen PE, PP und ABS sind unbedenklich. Nicht zugreifen sollte man bei PVC und PC. Besonders hohe Belastungen wurden in Kunststoffen von Automatenspielzeug, Lebensmittelbeigaben oder in Beigabe-Spielzeug von Kinderheften gefunden. Puppen bestehen oft aus PVC – hier sollte auf unschädliche Weichmacher geachtet werden (erkennbar durch den Zusatz “Phthalat-frei”).

Textilspielzeug sollte eine Öko-Tex-100 Kennzeichnung tragen. Wichtig dabei ist, dass das Produkt eine eigene Prüfnummer auf dem Label hat. Zwar wird nur eine begrenzte Zahl von Schadstoffen überprüft – es ist aber in jedem Falle besser, ein Produkt mit dieser Kennzeichnung zu kaufen, als eins ohne sie. Das G.O.T.S.-Siegel garantiert eine sehr geringe Schadstoffbelastung – es ist wegen der strengen Kriterien jedoch noch nicht sehr weit verbreitet.

Bänder und Schleifen von Kuscheltieren enthalten in der Regel die meisten Schadstoffe, diese sollten daher entfernt werden. Gekauft werden sollte ausschließlich waschbares Textilspielzeug, damit es vor dem ersten Spielen gewaschen werden kann. Dadurch wird ein Großteil der Schadstoffe entfernt. Wichtig ist danach eine ausreichende Trocknung, damit sich keine Schimmelpilze bilden.

Fingerfarben und Kinderschminke enthalten sehr häufig Schadstoffe – daher gilt hier: lieber selber machen. Im Internet findet man zahlreiche Rezepte für Salzteige oder Fingerfarbe aus Gelatine und Stärke.

 

>>>Tipps für den Spielzeugkauf als pdf-Download

 

Danielle von gewünschtestes-wunschkind.de beschäftigt sich mit allem rund um das Thema Mama sein, Baby und Kleinkind. Auf dem Blog findet man Wissenswertes zu den Themen Schlafen, Schreien, Erziehung, Ernährung, Entwicklung, Trotz, Krankheiten und Geschenkideen für Babys und Kleinkinder.

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