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Krummes Gemüse – Initiative gegen Lebensmittelverschwendung

Krummes Gemüse oder unförmiges Obst landet meist erst gar nicht im Supermarkt, sondern wird weggeworfen - doch das muss nicht sein!
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Riesige Mengen der Ernten auf europäischen Feldern bleiben dort einfach liegen oder landen im Müll. Obst und Gemüse verrotten, weil die Früchte nicht den von der EU festgelegten Handelsnormen entsprechen. Doch mittlerweile tun sogar die Supermärkte etwas gegen die Lebensmittelverschwendung. Denn krumme Gurken, Möhren mit drei Wurzelansätzen und ungewöhnlich geformte Kartoffeln schmecken auch trotz ihres ungenormten Aussehens. Auch Äpfel, die ein paar kleine Flecken aufweisen, müssen nicht in der Tonne landen.

Unförmiges Obst und Gemüse landet erst gar nicht im Supermarkt

Immer öfter wird das Thema Lebensmittelverschwendung in den Medien thematisiert. Der Anbau von Obst und Gemüse benötigt viele Ressourcen wie Wasser und Energie. Die Früchte vom Feld, aus den Gewächshäusern und von den Obstbäumen nach der Ernte einfach zu kompostieren, ist eine absolut unnötige Lebensmittelverschwendung.
Doch die Kunden der Supermärkte kennen es nicht mehr anders als in den Regalen der Obst- und Gemüseabteilung frische und perfekt geformte Ware vorzufinden. Sie sind auf ein makelloses Äußeres der Früchte trainiert. Auch wenn Handelsnormen von der EU festgelegt wurden, ist der Verkauf von krummen Zucchini oder zu kleinen Kartoffeln nicht verboten. Doch die Supermärkte haben bisher nur auf den Verkauf von Gemüsen und Früchten gesetzt, die den Handelsnormen entsprechen. Nun soll Schluss sein mit der Lebensmittelverschwendung. Statt in der Tonne landen Normverweigerer nun in den Regalen einiger Supermärkte.

Welchen Sinn haben die EU-Handelsnormen?

Die von der EU festgelegten Vermarktungsnormen sollen eine Sicherstellung der Qualität und die Einteilung in Handelsklassen ermöglichen. Bei dem großen Angebot an vitaminreicher Frischware ergibt sich durch die Normierung für den Kunden eine leichtere Vergleichbarkeit. Ein weiterer Effekt der Festlegung auf einheitliche Formen von Gemüse ist die Vereinfachung bei der Lagerung und beim Transport der Ware. So haben sich die Verbraucher an Makellosigkeit beim Betrachten der Regale in der Obst- und Gemüseabteilung gewöhnt.

Keine verdorbene Ware im Angebot

Die Kunden müssen nicht besorgt sein: In den Supermärkten, die sich gegen die Lebensmittelverschwendung engagieren, in dem sie krumme Gurken und unförmige Kartoffeln zu günstigen Preisen anbieten, gibt es keine verdorbene Ware. Faulendes, schimmliges Obst und Gemüse oder mit Schädlingen befallene Ware wird selbstverständlich weiter aus dem Verkehr gezogen. Druckstellen oder Launen der Natur, die ungewöhnliche Formen hervorbringen, stehen einem Verzehr der Früchte und Gemüse nicht entgegen.

Der Verbraucher entscheidet

Im Jahr 2013 begannen einige Supermarktketten, sich für das krumme Gemüse und fleckiges Obst zu engagieren. Edeka stellte den Verkauf unter das Motto: „Keiner ist perfekt“. Rewe beteiligte sich ebenfalls an der Aktion gegen Lebensmittelverschwendung und bot seine „Wunderlinge“ wie Edeka zu einem besonders günstigen Preis an. Doch in Deutschland war der Erfolg der Aktion in den Supermärkten bisher bescheiden. Offensichtlich ist das Auge der Verbraucher hierzulande zu sehr auf Perfektion trainiert. In Großbritannien findet unnormiertes Obst in der Supermarktkette Sainsbury’s großen Zuspruch bei den Kunden. Auch das französische Unternehmen “Intermarché” lässt sich eine Menge einfallen, um ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität zu setzen. In den Intermarché-Märkten dürfen die Kunden vor Ort Apfelmus, einen Saft oder ein Süppchen probieren. Alles wird aus den Gemüsen und Früchten hergestellt, die ohne die Initiative sofort auf dem Kompost gelandet wären. Diejenigen, die kosten, stellen fest, dass die Normverweigerer mindestens genauso gut schmecken wie die makellose Ware. Oft hat das preiswertere Obst und Gemüse sogar noch einen aromatischeren Geschmack.

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