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Lebensmittelkennzeichnung in Deutschland

Aromen und Zusatzstoffe in den Lebensmitteln? Hier gibts alle Informationen zur Lebensmittelkennzeichnung und Lebensmittelampel in Deutschland
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Das Etikett auf der Verpackung ist wie eine Visitenkarte: Herkunft, Inhalte und Herstellung sollen hier zu finden sein. Doch beschleicht viele beim Kauf von Lebensmitteln mulmiges Gefühl, muss man doch auf die Ehrlichkeit der Produzenten und die Verwendung gesunder Inhaltsstoffe vertrauen.
Aus diesem Grund existieren EU-weit geltende Vorschriften, an die sich die Hersteller von verpackten Lebensmitteln halten müssen. Das Ziel: Informieren und Schützen. Denn nach zahlreichen Lebensmittelskandalen wünschen sich immer mehr Verbraucher einheitliche Kennzeichnungen auf der Verpackung.

Lebensmittelkennzeichnung ist sinnvoll

Die Nennung des Mindesthaltbarkeitsdatums sowie Angaben zur Herkunft der Produkte oder die Auflistung der einzelnen Zutaten samt Mengenangaben erfüllen einen bedeutsamen Zweck: der Konsument soll vor Täuschung geschützt werden. Nicht immer werden echte Erdbeeren verwendet, wenn auf dem Etikett auf der Vorderseite eine fruchtig-rote, vollreife Erdbeere zu sehen ist. Nicht selten kommen Aromastoffe und andere Zusatzstoffe zum Einsatz, die mit dem natürlichen Produkt nichts zu tun haben. Um vor dieser Irreführung zu schützen, sind Angaben wie die Inhaltsstoffe wichtig.

Die Lebensmittelkennzeichnung erfüllt allerdings noch einen anderen Zweck: sie soll den Kunden informieren und ihm auf diese Weise das Einkaufen erleichtern. Das Mindesthaltbarkeitsdatum beispielsweise zeigt an, bis wann ein Produkt – bei sachgemäßer Lagerung – verwendet werden kann und Nährstoffe, Geruch und Geschmack behält. Ist dieses Datum überschritten, kann es meist noch immer verbraucht werden, nachdem es ausreichend durch Auge, Nase und gegebenenfalls auch Mund kontrolliert worden ist. Angaben zur Herkunft klären auf, aus welcher Region oder welchem Staat das Lebensmittel stammt. Der Kunde kann so entscheiden, ob er es kaufen möchte oder lieber einem anderen Produkt den Vorzug gibt. Somit wird auch der Vergleich zwischen verschiedenen Lebensmitteln möglich.

Diese Kennzeichnung darf auf keiner Verpackung fehlen

Die Verkehrsbezeichnung des Lebensmittels muss immer genannt werden. Bei ihr handelt es sich um eine klare Definition des Produktes, die nur selten direkt aus dem Namen abgeleitet werden kann, da die Hersteller dort enorme Freiheiten besitzen. Die Verkehrsbezeichnung ist meistens vor der Liste der Zutaten zu finden. So deutet beispielsweise Milchmischgetränk mit Kirschgeschmack an, dass wahrscheinlich nur eine sehr kleine Menge echter Kirschen im Getränk zu finden ist, da Zusatzstoffe und Aromastoffe den Kirschgeschmack bewirken. Dies schützt den Kunden und ermuntert ihn, einen genaueren Blick in die Zutatenliste zu werfen. Diese ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. Mit dem Verbrauchsdatum (zum Beispiel bei Fleisch) oder dem Mindesthaltbarkeitsdatum erhalten Kunden Informationen dazu, wie lange das Lebensmittel konsumiert werden kann bzw. darf. Zur gesetzlich vorgeschriebenen Lebensmittelkennzeichnung (LMKV) zählen zudem die Nennung des Herstellers sowie die Mengen- und Preisangabe. Die Chargennummer rundet die Angaben ab.

Mehr Transparenz ist wünschenswert

Auch wenn die Lebensmittel mit den notwendigen Informationen versehen sind, muss sich der Konsument oftmals doch noch recht anstrengen, um tatsächlich Nutzen aus den Daten zu ziehen. So sind die Nährwertangaben oftmals in nicht verbraucherüblichen Mengen angegeben: Da die meisten Menschen eine komplette Pizza essen und nicht nur eine halbe, empfiehlt es sich, auch die Nährwerte für eine ganze Pizza auf der Verpackung anzugeben, damit Käufer nicht noch extra rechnen müssen. Zudem herrscht Nachholbedarf bei der exakten Kennzeichnung bestimmter Lebensmittel wie Käse. Analogkäse, wie er häufig auf Käsebrötchen zu finden ist, hat mit echtem Käse nichts gemeinsam und sollte in jedem Fall gekennzeichnet werden. Auch das Erscheinungsbild der Lebensmittelkennzeichnung ist noch nicht in allen Fällen transparent genug: Die Verkehrsbezeichnung findet sich auf der Rückseite im Kleingedruckten, sollte aber deutlich auf der Vorderseite zu finden sein. Hingegen sind die scheinbaren Vorteile besser zu sehen. So finden sich Gratismengen und Rabattangaben meistens farblich abgesetzt und groß auf der Vorderseite platziert – gelegentlich auf der Rückseite nochmals.

Die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (LMKV) schafft die Grundlagen

Die Vorschriften für die Lebensmittelkennzeichnung werden in der LMKV (Lebensmittelkennzeichnungsverordnung) festgehalten. Das Ziel ist der Verbraucherschutz und die bereits genannten notwendig aufzuführenden Angaben entstammen dieser Verordnung. Zu dieser hinzu treten allerdings noch spezifischere, die sich mit einzelnen Produkten beschäftigen – wie ebenjenem Analogkäse oder Mineralwasser. Die Kennzeichnungsverordnung für Lebensmittel bildet somit die Basis für eine verbraucherfreundliche Lebensmittelkennzeichnung.

Hier finden Verbraucher Informationen zu ihrem Schutz

Lebensmittelklarheit sollte bei jedem Bürger herrschen. Das sieht auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz so und fördert die Informationsplattform Lebensmittelklarheit.de. Dort können sich Verbraucher über die Bestimmungen zur Lebensmittelkennzeichnung informieren.
Beim Einkauf im lokalen Handel kann der Schutz lediglich dadurch erfolgen, dass die Verkehrsbezeichnungen und Inhaltsstoffe der Lebensmittel sowie andere Elemente genau studiert werden, um Täuschungen und ungesunden Produkten aus dem Weg zu gehen.

Produktsiegel können den Konsumenten schützen

Lebensmittel sind mittlerweile mit vielen Siegeln versehen, die jene als einwandfrei, unbedenklich und gesund sowie ökologisch wertvoll und fair gehandelt ausweisen sollen. Mit dem Fair-Trade-Siegel machen Produzenten darauf aufmerksam, dass ihre Ware sowohl ökologische (beispielsweise Wasserverbrauch) als auch soziale (gerechter Lohn) Richtlinien einhält. Viele Menschen wollen nur noch natürliche Produkte zu sich nehmen, so dass diesem Begehren mit Bio-Produkten, die das Bio-Siegel tragen, entsprochen wird. Dieses weist darauf hin, dass die Lebensmittel zum Beispiel nicht gentechnisch verändert wurden und ohne Pflanzenschutzmittel hergestellt wurden.

Wichtige Qualitätssiegel:

  • Das Ohne-Gentechnik-Logo zeigt deutlich an, dass keine gentechnisch beeinflussten Rohstoffe verwendet werden.
  • Das QS-Prüfzeichen: zeichnet frische Lebensmittel wie Obst, Kartoffeln oder Fleisch aus
  • Das Institut Fresenius Qualitätssiegel: bezieht die Rohstoffe sowie den Verarbeitungsprozess mit ein und kennzeichnet hochwertige Ware seit 1973

So funktioniert die Lebensmittelüberwachung

Mit Hilfe von professionell ausgebildeten Fachleuten werden in Deutschland Tag für Tag die Produktion sowie fertige Lebensmittel untersucht, um die Verbraucher vor Täuschungen und gesundheitlichen Gefahren zu beschützen. Grundlage dafür ist das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch. Lebensmittelchemiker und Tierärzte, aber auch Biologen, Chemiker und Ärzte sorgen mit ihren Kontrollen dafür, dass die Verbraucher sichere Produkte erhalten. Entweder werden ganze Betriebe – zum Beispiel auf Sauberkeit und die Einhaltung anderer Regeln – kontrolliert oder es werden Lebensmittel-Stichproben zur Laboruntersuchung genommen. Immer stärker ist bei den Untersuchungen der Bezug zur EU-Verordnung zu bemerken; dennoch haben die Bundesgesetze ein hohes Gewicht.

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