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Verpackungsfreie Supermärkte – die Zukunft in Deutschland?

Nudeln, Mehl und Müsli kommen doch daheim eh in Dosen, warum also nicht gleich damit einkaufen gehen?!
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In Bonn hat erst kürzlich ein neuer Supermarkt ohne Verpackung seine Pforten geöffnet. Inhaberin Hilke Deinet von Freikost Deinet bietet hier auf über 90 Quadratmetern verpackungsfreie Bioware an. Dazu benötigte sie nach eigenen Angaben eine lange Vorbereitungszeit, in der sie ein ganzes Netzwerk von Lieferanten zusammenstellen musste, um Ware zu erhalten, die in Großhandelsmengen wie beispielsweise 25-Kilo-Säcken oder Großkanister geliefert werden können.
In Kiel eröffnete die aus Frankreich stammende Marie Delaperriere ihren Laden namens “Unverpackt”. Das Konzept ist in Frankreich bereits weit verbreitet und so fremd die Deutschen noch darauf reagieren, umso mehr lassen sie sich vorsichtig von dieser Geschäftsidee beeindrucken. Das erhoffen sich auch einige Existenzgründer mit Start-ups in Berlin und Dresden, wo ebenfalls das Einkaufen ohne Verpackung möglich ist.

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So funktioniert der verpackungsfreie Einkauf

Da die Waren wie Waschmittel, Nudeln und Kaffee lose angeboten werden, muss man sich Gedanken bzgl. des Transports machen. So können beispielsweise Dosen oder Gläser benutzt werden. Im verpackungsfreien Supermarkt werden diese zum einen entweder angeboten oder der Kunde darf aber auch mit eigenen Behältnissen kommen. Diese werden dann bei Eintritt in das Geschäft gewogen, damit anschließend beim Abwiegen der Ware auch das korrekte Gewicht ermittelt werden kann, woraus sich schlussendlich der Preis ergibt. Obst und Gemüse kann man überwiegend im eigenen Einkaufsbeutel mitnehmen. Plastikverpackungen, Tüten oder pfandfreie Füllbehältnisse suchen Kunden in diesen speziellen Supermärkten vergebens.

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Unverpackt einkaufen – Vorteile, die überzeugen

Der Vorteil beim Einkaufen ohne Verpackung liegt in erster Linie bei der Müllvermeidung und dementsprechend beim Umweltschutz. Aber auch der direkte Nutzen wird für den Kunden schnell deutlich, denn es gibt keine festen Abpackmengen. Während zum Beispiel herkömmlicher Kaffee meist nur in 500 Gramm Packungen erhältlich ist und man somit gezwungen ist, diese Menge auch zu kaufen, kann der Kunde im Supermarkt ohne Verpackung das Gewicht ganz nach seinem persönlichen Bedarf selbst bestimmen. Ob 100 Gramm oder 800 Gramm – dem Kunden wird hier mehr Freiheit bei der Mengenbestimmung geboten. Vor allem für Single-Haushalte kann dies einen finanziellen Vorteil mit sich bringen. Kleinere Einheiten für einen Ein-Personen-Haushalt werden nur selten angeboten und zu viel gekaufte Ware landet oft im Abfall. Auch für Geringverdiener öffnen sich mit diesem Konzept neue Türen und manch einer kann sich etwas Besonderes zumindest in kleinen Mengen mal leisten, während Großpakete bisher vielleicht unerschwinglich erschienen.

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Müllvermeidung geht alle etwas an

Im Großen und Ganzen zählen die Deutschen zu den penibelsten Mülltrennern, aber die Zahlen der Müllvermeidung könnten besser aussehen. Zwar verzeichnete Deutschland 277 Millionen Tonnen Müllrückgang zwischen den Jahren 1991 und 2011, doch diese Zahlen beziehen sich weniger auf Plastik- als eher auf Glas- und Weißblechmüll und sind somit durch die Einführung des Dosenpfands zu erklären. Die Zahl der Kunststoffverpackungen hingegen wächst weiterhin.
Viele Supermärkte stehen der Müllvermeidung durch Verzicht auf Verpackungen insbesondere bei Bio-Produkten sehr kritisch gegenüber. So landet beispielsweise schnell mal der Bio-Apfel in der Auslage importierter Äpfel, wenn dieser nicht durch eine beschriftete Verpackung für Jedermann sichtbar als Bio-Produkt erkennbar gemacht wird.
Doch auch das Kaufverhalten der Deutschen zeigt, dass Müllvermeidung nur bedingt ankommt. Verlockende Abbildungen auf den Verpackungen verleiten eher zum Kauf und das liegt ja schließlich im Sinne der Lebensmittelindustrie.
Durch das Modell “verpackungsfreier Supermarkt” könnte in Deutschland dem kontinuierlich steigenden Verpackungswahn entgegengewirkt werden. Doch so sehr die Deutschen eine Müllvermeidung befürworten und insbesondere auch für Nachhaltigkeit stehen, so inkonsequent sind sie dabei. Experten schätzen die Anzahl der Konsumenten, die sich rein auf Bio-Produkte beschränken und Umweltschutz fördern möchten auf unter 10 Prozent der Bevölkerung. Die Mehrheit kauft gelegentlich Bio und zieht nach wie vor herkömmliche Produkte in Verpackungen vor.
 

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